Zum ersten Mal trafen sich in der Gummersbacher Vogtei über 80 Mitarbeitende zu einem Fachtag zur Versorgungslage von Eltern mit Behinderung im Oberbergischen Kreis.
Unbekannte HilfenFachtagung in Gummersbach zur Versorgungslage von Eltern mit Behinderung

Die Akteure bei der Tagung in der Gummersbacher Vogtei: (v.l.) Inge Lütkehaus, Christian Gollner, Anne Heitmann, Kathleen Götz, Sandra Karsten, Katja Fellenberg, Iris Colsmann und Dennis Balzano.
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„Das rege Interesse zeigt schon, wie wichtig das Thema ist, und wie groß der Bedarf, gemeinsam hinzuschauen über die Fachdienste hinaus“, meint Christian Gollmer, neuer Kreisgeschäftsführer des Paritätischen, der zusammen mit der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung des Oberbergischen Kreises zum Austausch eingeladen hatte.
Wie groß der Bedarf bei den betroffenen Eltern ist, weiß Fachkraft Anne Heitmann aus der Praxis der Beratungsstelle, die zusammen mit ihrer Kollegin Kathleen Götz die Tagung organisiert hatte: „Regelmäßig bekommen wir Anfragen von Eltern mit Beeinträchtigung, viele wissen gar nicht, welche Hilfen es gibt. “ Hilfen, damit die Kinder gut aufwachsen und die Erziehungskompetenz der Eltern gestärkt wird. Denn „die Lebensplanung von Eltern mit Behinderung unterscheidet sich nicht von der anderer Eltern“, so Heitmann. Doch damit das gelingt, müssen die Betroffenen oft zahlreiche Hürden überwinden. Eindringlich schilderte das als „Expertin in eigener Sache“ eine 42-jährige Mutter von zwei Kindern, die an Depressionen leidet. Sie berichtete vom täglichen Kraftakt, den Alltag zu organisieren, vom Chaos, das durch Corona, Umzug, Trennung über ihr zusammen schlug, von totaler Erschöpfung und vom Leben, das „nur noch grau und traurig ist“ bis hin zur schwierigen Erkenntnis: „Ich kann nicht mehr. Ich habe immer im Hinterkopf, dass die Kinder leiden. Ich muss mir Hilfe holen.“
Seit 2018 gibt es einen klaren Rechtsanspruch
Seit einem Jahr wird sie durch eine qualifizierte Elternassistenz des Vereins Lebensfarben unterstützt. Rund vier Millionen Kinder in Deutschland wüchsen mit mindestens einem geistig eingeschränkten oder suchtkranken Elternteil auf, informierte Sandra Karsten von Lebensfarben, hochgerechnet auf dem Oberbergischen Kreis seien das 12.000. Im Jahr 2022 lebten in NRW 150.000 Elternteile mit Behinderung zusammen mit ihren Kindern im häuslichen Umfeld, ergänzte Anne Heitmann. Seit 2018 bestehe ein klarer Rechtsanspruch auf Teilhabeassistenz, doch häufig führten bürokratische Hürden und Unklarheiten bei den Zuständigkeiten dazu, dass die betroffenen Familien allein gelassen werden. Daher sollte die Tagung das Thema mit Vorträgen und auch mit Informationen zur Rechtslage in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gerückt werden und zur Vernetzung, besonders zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe ermuntern. Wie unterschiedlich die Unterstützung sein kann, zeigten die Schilderungen von Betroffenen.
Braucht die Mutter mit Angststörung ganz praktische Hilfe, wenn es darum geht, ihrem Kind einen Spielplatzbesuch zu ermöglichen oder einen Arzttermin zu organisieren und jemanden, „der Mut macht und den Weg zeigt, wenn man ihn nicht findet“, so zeigte Katja Fellenberg vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben Düsseldorf, welche Ablehnung ihr in der Schwangerschaft entgegen schlug, weil sie als körperbehinderte Frau ein Kind wollte, und wie sehr die Elternassistenz ihr hilft, ihr Kind selbstbestimmt nach eigenen Vorstellungen zu erziehen. Augenzwinkernd erzählte sie: „Wenn mein siebenjähriger Sohn wegläuft, dann holt ihn die Assistentin zurück. Aber den Anschiss gibt es dann von Mama!“
Teilhabeberatung
Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung berät Menschen mit Behinderung und deren Angehörige zu allen Fragen der Teilhabe und Rehabilitation – Kontakt per E-Mail an teilhabeberatung-obk@paritaet-nrw.org oder unter (02261) 6 39 37 76.
