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GoldhochzeitZum Wohle der Familie hat das Jubelpaar aus Waldbröl alles zurückgelassen

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Olga und Fedor Steinhauer feiern in Waldbröl heute (21. Januar 2026) ihre Goldene Hochzeit. Doch kennen sich die beiden schon seit 70 Jahren – aus der gemeinsamen Heimat Kasachstan.

Olga und Fedor Steinhauer feiern in Waldbröl heute (21. Januar 2026) ihre Goldene Hochzeit. Doch kennen sich die beiden schon seit 70 Jahren – aus der gemeinsamen Heimat Kasachstan.

Seit 50 Jahren sind Olga und Fedor Steinhauer verheiratet. Sie kennen sich aber schon seit der Kindheit in Kasachstan. 1995 wanderten sie aus.

Heute genau vor 50 Jahren, am 21. Januar, haben sich Olga und Fedor Steinhauer das Ja-Wort gegeben. Die Jubilare kennen sich allerdings seit bereits etwa 70 Jahren. Als Nachfahren von Wolgadeutschen sind sie als Nachbarn im Norden Kasachstans und dort in dem kleinen Dorf „Rosa Luxemburg“, in dem ausschließlich Deutsch gesprochen wurde, aufgewachsen, in dieselbe Schule gegangen und haben danach zusammen gespielt.

Ihre Wege trennten sich, als Fedor Steinhauer eine Ausbildung als Maschinenführer in einem landwirtschaftlichen Betrieb begann, während sie in die etwa 80 Kilometer entfernt gelegene Stadt Makinsk zog, um dort eine Lehre als Schneiderin zu absolvieren. Nach dem Abschluss wollte sie jedoch unbedingt zurück aufs Land. Dort begegnete sie ihrem früheren Spielkameraden nun wieder.

Das heutige Waldbröler Paar Olga und Fedor Steinhauer in der Zeit kurz nach Wehrdienst und etwa drei Wochen vor der Hochzeit.

Das heutige Waldbröler Paar Olga und Fedor Steinhauer in der Zeit kurz nach Wehrdienst und etwa drei Wochen vor der Hochzeit.

Damals sei es üblich gewesen, dass sich die Dorfjugend abends in einem kleinen Club traf. Irgendwann begann er, seine Angebetete nach Hause zu begleiten: „Für mich war sie die Schönste.“ Und auch sie fand Gefallen an dem Mann: „Das ist der Beste.“ Ab da waren die beiden ständig zusammen, am Wochenende stand Tanzen auf dem Programm. Fedor Steinhauer verrät: „Beim Tanz habe ich ihr gesagt, dass ich sie liebe.“

Allerdings währte die Freude des jungen Paars nicht allzu lange, denn eines Tages lag die Einberufung im Briefkasten – Wehrdienst auf der Halbinsel Kamtschatka. „Wir haben diese Region immer als das Ende der Welt bezeichnet“, erinnert sich die Jubilarin. Und so ganz Unrecht hat sie nicht damit. Ihr Mann sagt: „Die Reise mit dem Zug nach Wladiwostok hat zwölf Tage und zwölf Nächte gedauert, für die anschließende Schiffsfahrt brauchte es noch mal fünf Tage und fünf Nächte.“

In Waldbröl kommen nun auch fünf Enkelkinder zum Ehefest der Großeltern

Einmal jährlich gab es Urlaub, doch den konnte er nicht nutzen, um seine Geliebte zu sehen – in der freien Zeit hätte er nicht mal Hin- und Rückfahrt geschafft. So blieben hunderte Briefe, denen manchmal ein Foto beilag. Sie schwärmt: „Ich habe zwei Jahre gewartet und es war toll, wie er mich immer genannt hat.“ Ende Dezember 1975 war die Zeit der Trennung endlich vorbei und drei Wochen später heiratete das Paar im Familienkreis.

Im Herbst 1976 kam Sohn Eugen zur Welt, fünf Jahre später folgte Anatoli. Die junge Familie lebte mit einem großen Garten am Haus: „Zwar gab es nicht so viel Obst, aber wir hatten jede Menge Gemüse von Tomaten über Gurken bis hin zu Kartoffeln. Hinzu kamen Hühner, Schafe, Schweine und mehrere Kühe.“ Und lachend ergänzt Olga Steinhauer: „Ich kann melken.“ So gab es also auch frische Milch, Sahne, Butter und Käse. Allerdings war die Zeit in Stall und Garten nach der Arbeit recht anstrengend: „Aber es war trotzdem schön und wir hatten alles ‚bio‘.“

Schwierig seien jedoch die Winter gewesen mit Stürmen, Temperaturen von bis zu minus 40 Grad und einer Schneehöhe, die in manchen Jahren bis ans Dach reichte: „Wir waren oft drei bis vier Tage eingeschlossen.“ Auch die Zukunft der Kinder sei ungewiss gewesen. Für Ausbildung und Arbeit hätten sie weit wegziehen müssen. Hinzukam die Entvölkerung des Dorfs nach 1989, als viele nach Deutschland umsiedelten. So entschloss sich die Familie 1995 ebenso dazu: „Es war nicht leicht, alles zurückzulassen.“

Fedor Steinhauer ist froh, dass er nach der Ankunft in Waldbröl sofort Arbeit bei einem Morsbacher Kunststoffunternehmen und sie in der Gastronomie gefunden hat. Heute stehen die Söhne fest in Lohn und Brot. Das Goldhochzeitspaar resümiert: „Deutschland ist schön und es ist alles so, wie es sein soll.“ Wie bei der Hochzeit wird im Familienkreis gefeiert, nun allerdings mit fünf Enkelkindern.