Zum Informationsabend rund um das Genossenschaftsprojekt in der Morsbacher Ortschaft sind rund 250 Menschen in die Kirche St. Joseph gekommen.
Neuer LebensmittelmarktIn Lichtenberg ist das erste Interesse an Tante Enso riesengroß

Paten für das Projekt „Tante Enso“ sind in Morsbach-Lichtenberg unter anderem und ab sofort (von links) Yvonne Steffensmeier, Patrick Gilles, Mareike Kirchhof und Marko Roth.
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Kein Platz ist frei geblieben, als sich in der Kirche St. Joseph „Tante Enso“ vorgestellt hat. Viele der rund 250 Morsbacherinnen und Morsbacher ergatterten nur noch Stehplätze, riesig war das Interesse an einem neuen Lebensmittelmarkt mit Vollsortiment für die Ortschaft Lichtenberg. Immerhin ist das Projekt aus Bremer bisher einmalig im weiten Umkreis. „Bei ‚Tante Enso‘ ist Tante Emma noch lebendig“, versprach Philipp Isenberg, Expansionsleiter bei der Enso-Gruppe. Und das traf offenbar den Nerv. „Sie können mitbestimmen, wie, wann und was Sie einkaufen. Wir wollen eine bessere Welt fürs Land schaffen.“
Große Versprechen, die per Videopräsentation erklärt wurden: Auf dem früheren Brocke-Gelände könnte eine Filiale mit einer Verkaufsfläche von mit 280 Quadratmetern entstehen, die einen Dorfladen mit moderner Technik verbindet. Kunden könnten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche wählen unter mehr als 3000 Artikeln, kündigte Isenberg an. Hinzukämen Waren aus dem Ort und aus der Region.

Rappelvoll war in der Morsbacher Ortschaft Lichtenberg die Kirche St. Joseph, als dort das Konzept hinter den „Tante Enso“-Märkten vorgestellt wurde.
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Doch damit das Wirklichkeit wird, müssen erst mal 600 Menschen Teilhaber einer Genossenschaft werden und Anteile von jeweils 100 Euro erwerben. „Das Projekt kann nur funktionieren, wenn die Menschen mitmachen und sich als Teil des Ganzen verstehen, denn dann bleiben sie Kunden, auch über Jahre“, weiß der Abteilungsleiter aus zehn Jahren Erfahrung seit Gründung der Firma. Immerhin gehe es um eine Investition von rund 250.000 Euro. Man setze auf Zusammenhalt, und der funktioniere nur auf dem Land. Daher stehen die bisher 83 „Tante Enso“-Filialen in Deutschland nur da.
Wer Teilhaber wird, kann sich auch über finanzielle Vorteile beim Einkauf freuen und beim Sortiment mitbestimmen. An vier Tagen soll das Geschäft für vier bis fünf Stunden personell besetzt sein, vier 450-Euro-Jobs und eine Halbtagsstelle könnten geschaffen werden. Kunden können in dieser Zeit „ganz normal“ und ohne die sonst notwendige Enso-Karte einkaufen. Wie es im Laden aussieht, wie der Zugang mit dem speziellen Ausweis funktioniert, wie bezahlt wird, auch das war zu erfahren. Aber auch danach ergaben sich in Lichtenberg zahlreiche Fragen.
Uneingeschränkten Zugang zu dem Laden in Lichtenberg gibt es nur mit der speziellen „Tante Enso“-Karte
Allen voran die Sorge, was mit dem eingezahlten Geld passiert, sollten sich nicht genügend Teilhaber finden. „Alles ist durch das Genossenschaftsgesetz geregelt. Dann wird gekündigt und das Geld zurückgezahlt. Das gilt auch, wenn jemand die Genossenschaft verlassen will“, beruhigte Isenberg. Der Jugendschutz wurde ebenfalls angesprochen: Nur Erwachsene könnten eine Enso-Karte erhalten und damit Zugang zum Geschäft und auch zu Alkohol und Tabakwaren erhalten. Es liege in der Verantwortung der Besitzer, diese Karte nicht an Minderjährige weiterzugeben, so Isenberg.
„Und was ist mit Betrug und Diebstahl?“, wollte eine Frau wissen. Das passiere selten. Schließlich würde man ja die eigenen Nachbarn bestehlen, hieß es. Und wie hoch das Risiko sei, dass dieses Vorhaben schiefgeht? Die allererste Filiale habe schließen müssen, da habe man versäumt, die Bevölkerung „mitzunehmen“, räumte Philipp Isenberg ein. Aus den Fehlern habe die Enso-Gruppe gelernt.
Und die vielleicht wichtigste Frage: Wann könnte der neue Dorfladen eröffnen? Doch darauf gib es (noch) keine Antwort, hängt das doch von Verhandlungen mit den Eigentümern und von diversen Genehmigungsverfahren ab. „Da bestehen aber Kontakte und wir haben die Kommune mit im Boot.“ Immer auf dem Laufenden werden acht sogenannte Patinnen und Paten aus Morsbach sein, die als Schnittstelle zwischen Enso und Lichtenberg fungieren. Sie stellten sich als lokale Ansprechpartner vor.
So fiel der Startschuss für die Kampagne, die am Mittwoch, 18. Februar 2026, endet. Bis Mittwoch hatten 73 Morsbacher und Morsbacherinnen Anteile gezeichnet.
Stimmen zur Planung des neuen Versorgers in Morsbach-Lichtenberg
- Timo Neuber, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Lichtenberg: „Es ist eine einmalige Chance. Ohne Auto kann man zurzeit nicht einkaufen, es wäre auch ein Treffpunkt und beim Shoppen wäre wieder ein Strüngschen möglich. Ein Engagement von 100 Euro ist ja überschaubar. Ich hoffe, das klappt!“
- Morsbachs Bürgermeister Jan Schumacher: „Es ist ein tolles Projekt, es gibt ja keinen Nahversorger in Lichtenberg mehr, seit das ‚Lädchen‘ 2023 geschlossen wurde. Dann kann meine Frau sonntags Waffeln backen, auch wenn was fehlt.“
- Projektpate Marko Roth: „So ein Angebot brauchen wir hier, wir sollten es unbedingt nutzen. Dafür setze ich mich ein.“
